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Top 10 Höhlen in Island

Island hat keine Kalksteinhöhlen — der gesamte Archipel ist vulkanischen Ursprungs. Seine Untergrundwelt besteht aus Lavaröhren und saisonalen Gletscherhöhlen. Beide Typen sind für unterschiedliche Reisezeiten zugänglich: Lavaröhren ganzjährig, Gletscherhöhlen ausschließlich im Winter. Die Kombination aus Licht, Eis und Basalt ist nirgendwo sonst auf der Welt so konzentriert zu finden. Alle hier genannten Höhlen sind auf der Karte eingetragen.

1. Vatnajökull-Kristall-Eishöhle (nur Winter)

Karsttyp: saisonale Gletscherhöhle im Vatnajökull-Gletscher. Das Eis ist komprimiert, blasenarm und leuchtet in einem intensiven Blau, das als "Gletscherblau" bekannt ist. Keine zwei Saisons sieht die Höhle gleich aus — Struktur, Zugänge und Eisfarbe verändern sich jährlich. Besuchszeit ausschließlich November bis März; zertifizierte Führerpflicht. Stützpunkte: Jökulsárlón und Skaftafell. Die berühmteste ist die sogenannte "Crystal Cave" nahe Jökulsárlón.

2. Langjökull-Eistunnel (Künstlicher Eistunnel)

Der Langjökull-Tunnel ist kein natürliches Höhlensystem, sondern ein ab 2015 konstruierter Tunnel, der über 500 m tief in den zweitgrößten Gletscher Islands führt. Er zeigt mehrere tausend Jahre Eisschichten. Zugang per Superjeep von Húsafell; ganzjährig geöffnet. Der Kontrast zu den natürlichen Gletscherhöhlen Vatnajökulls macht ihn zu einem nützlichen Bildungserlebnis.

3. Raufarhólshellir (Hengill-Region)

Karsttyp: Lavaröhre, entstanden vor ca. 5.200 Jahren durch den Brennisteinsfjöll- Ausbruch. Länge: rund 1.360 m, Breite bis zu 30 m, damit eine der größten Lavaröhren Islands. Moderne LED-Beleuchtung durch eine Tourismusgesellschaft installiert; geführte Touren ohne Eigenausrüstung möglich. Im Winter bilden sich Eisformationen am Boden des Eingangsbereichs. Lage: 30 Minuten von Reykjavik, einfach mit Mietwagen erreichbar.

4. Víðgelmir (Westisland, Borgarfjörður)

Karsttyp: Lavaröhre, ca. 8.700 Jahre alt, entstanden durch den Hallmundarhraun- Lavafluss. Mit 1.585 m der längste zugängliche Abschnitt einer isländischen Lavaröhre und insgesamt ca. 1,6 km Länge einer der längsten Islands. Besonderheiten: mächtige Lava-Stalaktiten aus erstarrtem Spritzlava, Lavaseen und Lava-Bodenstrukturen. Geführte Touren; Adventure-Tour mit Helm und Stirnlampe verfügbar.

5. Lofthellir (Myvatn-Region, Nordisland)

Karsttyp: Lavaröhre mit permanenten Eisformationen — eine seltene Kombination. Die Eisformationen entstehen durch eine Kaltluftfalle, die im Winter Kaltluft einspeist und im Sommer die Wärme fernhält. Lofthellir liegt östlich des Myvatn-Sees. Zugang nur mit zertifizierten Führern; das Terrain erfordert Klettern über Lavafelder.

6. Þríhnúkagígur (Bláfjöll, Reykjanes-Halbinsel)

Þríhnúkagígur ist das einzige bekannte Beispiel weltweit, bei dem Touristen in eine leere Magmakammer eines (vermutlich) schlafenden Vulkans abgeseilt werden. Der Krater hat eine Tiefe von 120 m und ein Volumen, das die Freiheitsstatue aufnehmen könnte (8.500 m³). Alter des letzten Ausbruchs: ca. 4.000 Jahre. Besuchszeit: Mai bis Oktober (kein Winterbetrieb). Zugang über einen 45-minütigen Marsch über Lavafelder; Abstieg per Bauaufzug.

7. Surtshellir (Westisland, Hnappadalssýsla)

Karsttyp: Lavaröhre, entstanden vor ca. 1.100 Jahren im Hallmundarhraun. Länge: rund 1,9 km des Haupttunnels plus Nebengänge. Eine der längsten Lavaröhren Islands. In Surtshellir befand sich im Mittelalter eine Räuberhöhle, die in der Eyrbyggja Saga erwähnt wird; Archäologen fanden Belege für menschliche Nutzung im 9. bis 10. Jahrhundert. Zugang über die Route F578; Geländewagen erforderlich.

8. Grjótagjá (Myvatn-Region, Nordisland)

Karsttyp: Spalthöhle entlang der eurasischen-nordamerikanischen Plattengrenze. Das Wasser im Inneren ist geothermisch erwärmt; die Temperatur lag historisch zwischen 40 und 50 °C und war ein beliebtes Bad — heute zu heiß zum Schwimmen (über 50 °C seit dem Krafla-Ausbruch 1975). International bekannt durch Szenen in "Game of Thrones" (Staffel 3). Privater Zutritt derzeit eingeschränkt.

9. Stefánshellir (Westisland, Borgarfjörður)

Karsttyp: Lavaröhre im Hallmundarhraun, direkt neben Víðgelmir. Länge: etwa 900 m. Weniger erschlossen als Víðgelmir, aber zugänglich für eigenständige Erkundung mit entsprechender Ausrüstung (Helm, drei Lichtquellen). Kein kommerzielles Tourprogramm; Koordinaten auf GPS-Datenbanken isländischer Speläologen verfügbar.

10. Buri (Snæfellsnes-Halbinsel)

Karsttyp: Lavaröhre am Fuß des Snæfellsjökull-Vulkans — Jules Vernes literarischer Eingang zur Erdmitte in "Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1864). Das Lavafeld der Halbinsel enthält mehrere kleinere Röhren; Buri ist die bekannteste. Kein regulärer Tourismusbetrieb; Erkundung mit Genehmigung und Eigenausrüstung. Der Snæfellsjökull-Nationalpark verwaltet den Bereich.

Praktische Hinweise für Höhlenbesuche in Island

Lavaröhren sind ganzjährig zugänglich; Gletscherhöhlen ausschließlich November bis März. Eigenständige Erkundung unapparenter Lavaröhren ist legal, aber riskant — das Terrain ist unmarkiert und das Gestein scharfkantig. Für Einsteiger: mit den kommerziellen Führertouren in Raufarhólshellir oder Víðgelmir beginnen.