Lavaröhren und Vulkanhöhlen: Entstehung und bedeutendste Systeme
Lavaröhren sind das Ergebnis eines präzisen physikalischen Prozesses: Basaltlava fließt durch ein Bachbett, die Oberfläche kühlt ab und erstarrt zu einer Kruste, während der flüssige Kern weiter fließt. Wenn die Lava abläuft, bleibt ein Tunnel zurück. Dieser Prozess kann Röhren von wenigen Metern bis zu mehreren Kilometern Länge erzeugen. Da Basalt weltweit vorkommt, sind Lavaröhren auf allen Kontinenten und auf dem Meeresgrund zu finden — die beeindruckendsten liegen auf Hawaii, Korea, den Kanarischen Inseln, Island und Australien.
Thurston Lava Tube (Hawaii, USA)
Die Thurston Lava Tube — auf Hawaiianisch Nāhuku — im Hawaii Volcanoes National Park auf der Insel Hawai'i ist die bekannteste und am leichtesten zugängliche Lavaröhre der Welt. Sie entstand vor etwa 500 Jahren, ist rund 600 m lang und im öffentlich zugänglichen Abschnitt bequem aufrecht begehbar. Das Dach ist mit Farnen und Moos bewachsen, da Tageslicht durch Öffnungen fällt. Eintritt im Nationalparkticket enthalten. Kein technisches Equpiment nötig.
Manjanggul (Jeju-do, Südkorea) — UNESCO-Welterbe
Das Manjanggul-Lavaröhrensystem auf der Insel Jeju ist eine der längsten Lavaröhren der Welt mit 7,4 km Gesamtlänge. Der für Touristen geöffnete Teil ist rund 1 km lang. In der Endkammer steht eine 7,6 m hohe Lavasäule — eine der größten bekannten. Manjanggul ist Teil des UNESCO-Welterbes "Jeju Volcanic Island and Lava Tubes" (2007). Die konstante Innentemperatur von 11–21 °C hält das System ganzjährig geöffnet.
Cueva del Viento (Teneriffa, Spanien)
Cueva del Viento auf Teneriffa ist mit rund 18 km das längste vulkanische Höhlensystem Europas und das drittlängste der Welt. Der Name — "Höhle des Windes" — bezieht sich auf die starken Luftströmungen in der Röhre. Sie besteht aus mehreren übereinanderliegenden Ebenen. Nur geführte Spezialtouren mit vorheriger Genehmigung der lokalen Behörden bieten Zugang; der Touristenteil ist auf einen kleinen Abschnitt begrenzt. Die Höhle beherbergt mehrere auf Teneriffa endemische Troglobionten-Arthropoden.
Ape Cave (Mount St. Helens, Washington, USA)
Die Ape Cave am Südhang des Mount St. Helens entstand vor etwa 2.000 Jahren und ist mit 4,2 km Länge die längste bekannte zusammenhängende Lavaröhre im kontinentalen Nordamerika. Die zwei Teilabschnitte können in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad begangen werden: der untere Abschnitt ist leicht, der obere erfordert Klettern über Lavablöcke. Lampen müssen selbst mitgebracht werden (keine Ausleihe vor Ort), Helme werden empfohlen.
Lofthellir (Myvatn, Island)
Lofthellir ist eine Lavaröhre im Norden Islands nahe dem Myvatn-See und besonders wegen ihrer permanenten Eisformationen bekannt — ungewöhnlich für eine Lavaröhre, da diese normlerweise keine Kaltluftfallen bilden. In Lofthellir statten starke Eisskulpturen, darunter Eissäulen und Bodeneis, die Röhre aus. Zugang nur mit zertifizierten Führern über die lokale Tourismusinfrastruktur.
Lava Beds National Monument (Kalifornien, USA)
Das Lava Beds National Monument im Modoc County beherbergt über 800 Lavaröhren, von denen rund 25 für die Öffentlichkeit zugänglich sind, darunter Mushpot Cave (beleuchtet) und Sentinel Cave. Das Schutzgebiet verwaltet die Höhlen nach dem Cave Resources Protection Act und schützt gleichzeitig Überreste der modoc-Kriege des 19. Jahrhunderts. Helme und drei Lichtquellen werden empfohlen.
Undara Volcanic National Park (Queensland, Australien)
Das Undara-Lavaröhrensystem in Queensland entstand vor ca. 190.000 Jahren durch einen einzelnen Ausbruch und ist mit rund 160 km Gesamtlänge eines der längsten Lavaröhrensysteme der Welt. Das heiße, trockene Klima hat die Röhren gut erhalten. Geführte Touren zeigen einstürzende Segmente, die zu offenen Regenwaldinseln inmitten trockener Savanne geworden sind und seltene Fauna beherbergen.
Raufarhólshellir (Hengill, Island)
Die Raufarhólshellir-Lavaröhre bei Reykjavik ist eine der größten und zugänglichsten Islands. Sie ist rund 1.360 m lang und 30 m breit. Moderne LED-Beleuchtung ermöglicht geführte Touren ohne eigene Ausrüstung. Im Winter bilden sich Eisformationen am Boden. Die Röhre entstand vor etwa 5.200 Jahren durch denselben Ausbruch wie das Brennisteinsfjöll-System.
Das Besondere an Lavaröhren gegenüber Kalksteinhöhlen
Lavaröhren entstehen in Wochen bis Monaten; Kalksteinhöhlen brauchen Jahrtausende bis Jahrmillionen. Lavaröhren haben keine Tropfsteinformationen — keine Stalaktiten, keine Stalagmiten — aber sie können Lava-Eiszapfen, Lava-Stalaktiten aus erstarrtem Spritzlava, und Lavaseen zeigen. Sie sind strukturell stabiler als Kalksteinhöhlen in der Breite, aber anfälliger für partielle Deckeneinbrüche.
Auf der Karte sind alle erwähnten Lavaröhren eingetragen — filtern Sie nach Höhlentyp, um Vulkanhöhlen weltweit zu vergleichen.