Höhlenrettung und Sicherheit unter Tage
Die Rettung der zwölf Mitglieder der Wild-Boars-Fußballmannschaft und ihres Trainers aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand im Juli 2018 war die meistverfolgte Höhlenrettung in der Geschichte. Sie zeigte der Welt, was Höhlenretter leisten — und welche Bedingungen ein Höhlennotfall erzeugt. Die Grundprinzipien, die diese Rettung möglich machten, gelten für jede Höhlentour.
Tham Luang 2018: Ablauf und Lehren
Am 23. Juni 2018 wurden die 13 Personen vom steigenden Monsunwasser in der Tham Luang Nang Non in der Provinz Chiang Rai, Nordthailand, eingeschlossen. Sie hatten keinen ausreichenden Proviant, keine Kommunikationsmittel und befanden sich in einem schwer zugänglichen Teil des Systems, ca. 4 km vom Eingang entfernt. Britische Höhlentaucher John Volanthen und Rick Stanton fanden die Gruppe nach neun Tagen am 2. Juli lebend auf einem erhöhten Felssims.
Die Extraktion erforderte 13 Tauchtransporte durch teils nur 40 cm breite, vollständig geflutete Passagen mit Nullsicht. Für jede Person wurden eigene Tauchausrüstung und ein Taucherbegleiter eingesetzt. Ein Thai-Navy-SEAL-Taucher, Saman Kunan, starb während der Operation, als sein eigener Sauerstoff ausging. Die letzte Person wurde am 10. Juli gerettet.
Die Lektion: Höhlensysteme können sich durch Regen in Stunden in tödliche Fallen verwandeln. Wetterbedingungen müssen vor und während jeder Tour geprüft werden, auch wenn der Himmel über dem Eingang klar ist.
British Cave Rescue Council (BCRC)
Das British Cave Rescue Council koordiniert freiwillige Höhlenrettungsteams im Vereinigten Königreich. Alle Rettungsteams sind Freiwillige mit eigener Berufsausübung, die auf Abruf arbeiten. Eine Aktivierung erfolgt über den Notruf 999, der an die Polizei weitergeleitet wird, die ihrerseits das zuständige Rettungsteam alarmiert. In Deutschland übernimmt diese Funktion die Höhlenrettung Bayern bzw. regionale Bergwachten.
Höhlentauchen und Sumpf-Rettung
Höhlentauchen gehört zu den gefährlichsten Freizeitsportarten der Welt. Die speziellen Gefahren: keine Möglichkeit, aufzutauchen, wenn ein Problem auftritt; Desorientierung durch Nullsicht in aufgewirbeltem Sediment; Ausfälle in engen Passagen, aus denen kein Helfer erreichen kann. Die Cave Diving Group (UK) und die National Speleological Society Cave Diving Section (USA) unterhalten Rettungsressourcen und geben Ausbildungsstandards vor. Niemals ohne zertifiziertes Höhlentauch-Training in geflutete Siphons einsteigen.
Hypothermie: Temperatur und Risiko
Die meisten Kalksteinhöhlen der gemäßigten Zonen halten eine konstante Temperatur zwischen 7 und 12 °C. Das ist kalt genug für Hypothermie, wenn jemand nass wird, sich verletzt oder aufhören muss, sich zu bewegen. Die Symptome beginnen mit Zittern und verlangsamtem Denken und entwickeln sich zu Handlungsunfähigkeit und Bewusstlosigkeit. Isolierende Kleidung — Fleece-Unterwäsche unter einem Übermantel — ist keine Komfortfrage, sondern Sicherheitsausrüstung.
Praxisregel: Man sollte in der Höhle mindestens so gekleidet sein, dass man im schlimmsten Fall vier bis sechs Stunden wartend überleben kann.
Hochwasser-Reaktion
Das größte akute Risiko für unerfahrene Höhlenbesucher ist Hochwasser. Anzeichen: steigendes Wasser in Bachbetten, erhöhte Trübung, plötzliche Luftzüge (Druckwelle des aufsteigenden Wassers), lauter werdendes Rauschen. Bei jedem dieser Zeichen: sofortiger Rückzug auf hohen Boden innerhalb der Höhle, kein Versuch, durch steigendes Wasser zu schwimmen. Informieren Sie vor der Tour jemanden über Ihren Eingang und Ihre geplante Rückkehruhrzeit.
SRT-Sicherheitsprotokolle
Single Rope Technique (SRT) ist die Standardmethode für den Auf- und Abstieg in Schächten. Die Grundregeln: Ausrüstung vor dem Einstieg doppelt prüfen, immer an der Seilkette gesichert bleiben, keine Improvisation an Verankerungspunkten, Rückmeldung an Kameraden an der Oberfläche nach jeder Phase. Anfänger sollten SRT nur unter Aufsicht eines Ausbilders des Verbands der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. oder einer gleichwertigen nationalen Organisation erlernen.
Primäre, sekundäre und tertiäre Lichtquellen
Jede Person, die eine Wildnishöhle betritt, muss drei voneinander unabhängige Lichtquellen tragen. Dies ist keine Empfehlung — es ist ein Mindeststandard.
Primäre Lichtquelle: ein hochwertiger Stirnlampenhelm mit Akku, zum Beispiel ein Petzl Duo oder ein Scurion 700, montiert am Helm, freihändig, mit mehreren Stunden Laufzeit.
Sekundäre Lichtquelle: eine vollständig geladene Reserve-Stirnlampe oder Handlampe, in einer vor Nässe geschützten Tasche am Körper getragen — nicht im Rucksack, der nach einem Sturz nicht mehr zugänglich sein könnte.
Tertiäre Lichtquelle: eine einfache Notfalllampe oder Kerzen — wetterfest verpackt, für den Fall, dass beide Hauptlampen ausfallen.
In absoluter Dunkelheit ist Orientierungslosigkeit innerhalb von Minuten vollständig. Ohne Licht bewegt man sich nicht.
Erste Hilfe und Meldewege
Bevor Sie in eine Höhle einsteigen: teilen Sie Ihren genauen Plan — Eingang, geplante Route, erwartete Rückkehrzeit — mit einer zuverlässigen Person außerhalb. In vielen Ländern gibt es spezialisierte Höhlenrettungsdienste, die nur aktiviert werden können, wenn jemand den Alarm auslöst. Das beste Sicherheitssystem ist jemand an der Oberfläche, der weiß, wann er Alarm schlagen muss.
Alle auf der Karte eingetragenen Höhlen enthalten, soweit verfügbar, Angaben zu Schwierigkeitsgrad und Zugangsbedingungen.