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Höhlen schützen: Leave No Trace unter Tage

Höhlen gehören zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen der Erde. Was auf der Oberfläche nachwächst oder sich regeneriert, existiert in einer Höhle seit Jahrtausenden ohne Veränderung — oder gar nicht mehr. Ein zerbrochener Stalaktit, eine zerstörte Kolonie oder ein kontaminierter Grundwasserleiter sind endgültige Verluste. Leave No Trace gilt unter Tage uneingeschränkt, aber es braucht für Höhlen eigene, spezifischere Regeln.

Das Weißnasen-Syndrom und Fledermaus-Dekontamination

Das Weißnasen-Syndrom (White-Nose Syndrome, WNS) ist eine Pilzkrankheit, verursacht durch den Erreger Pseudogymnoascus destructans, der seit seiner Entdeckung in einer Höhle bei Albany, New York, im Jahr 2006 mehr als sieben Millionen nordamerikanische Fledermäuse getötet hat. Der Pilz wächst auf Haut und Flügelmembranen überwinternder Fledermäuse, stört ihren Winterschlaf und erschöpft ihre Fettreserven tödlich.

Höhlenbesucher können Pilzsporen auf Kleidung, Ausrüstung und Schuhen zwischen Höhlen transportieren. Das US Bureau of Land Management (BLM) und die National Speleological Society (NSS) empfehlen daher eine vollständige Dekontamination aller Ausrüstungsgegenstände zwischen Besuchen verschiedener Höhlen. Bewährte Methoden: Waschen mit heißem Wasser über 55 °C, Einweichen in einer Natriumhypochlorit-Lösung (200 ppm) oder Verwendung der vom WNS-Programm der US-Behörden zugelassenen Desinfektionsmittel. Manche BLM- und US-Forest-Service-Höhlen sind in der Winterperiode für Besucher gesperrt, wenn Fledermäuse hibernieren — diese Sperren sind rechtlich bindend und schützen überwinternde Kolonien.

Mikroklimatische Störungen

Das Klima in einer Höhle — Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration und Luftströmung — ist das Ergebnis jahrhundertelanger Gleichgewichtsbildung. Schon eine Gruppe von zehn Besuchern erhöht die CO₂-Konzentration und die Temperatur messbar. In geschlossenen Bereichen mit wenig Luftaustausch kann Körperwärme das Mikroklima dauerhaft verschieben.

Schauhöhlen wie Lascaux haben das auf schmerzhafte Weise gelernt: Die ursprüngliche Höhle wurde 1963 geschlossen, nachdem Algen, Grünalgen und Schimmelpilze durch Kohlendioxidausstoß und Wärme von 1.200 täglichen Besuchern explodiert waren. Das CO₂-Management ist heute Bestandteil jedes Managementplans für empfindliche Höhlen weltweit.

Lampenflora

Überall dort, wo künstliches Licht auf feuchte Höhlenwände trifft, können Algen, Cyanobakterien, Moose und Farne keimen — Organismen, die in echter Dunkelheit nicht überleben würden. Dieses Phänomen heißt Lampenflora. Die grünen oder braunen Beläge wachsen langsam, aber sie verdrängen die natürliche Höhlenbiologie, verändern die Chemie des Gesteins und — in der Nähe von Felszeichnungen — zerstören prähistorische Malereien unwiederbringlich.

Besonders gefährdet sind Schauhöhlen mit stationären Lampen, die direkt auf Kalzitformationen oder feuchte Flächen gerichtet sind. Moderne Lösungen umfassen LED-Beleuchtung mit sehr geringem UV-Anteil, Zeitschaltuhren und Dunkelperioden sowie regelmäßige manuelle oder chemische Entfernung. Wildnishöhler sollten helle Stirnlampen nicht unnötig lang auf eine Stelle richten.

Bodenverdichtung und physische Schäden

Höhlenböden sind geologisch aktive Bereiche: Mondmilch, Gytja, feiner Sinterschlamm und Feuchtboden-Sedimente beherbergen spezialisierte Organismen, Pollen- und Klimaarchive und archäologische Schichten, die Zehntausende von Jahren alt sein können.

Jeder Schritt auf unmarkierten Böden verdichtet Sediment unwiederbringlich. Das NSS und das BLM empfehlen ausschließlich die Nutzung bestehender Trampelpfade, das Tragen von sauberen, niedrigprofilierten Stiefeln in empfindlichen Bereichen und strikte Verbote, Sinterformationen zu berühren oder zu besteigen. Kalkstein-Stalaktiten wachsen mit etwa 0,13 mm pro Jahr — ein abgebrochener Tropfstein von zehn Zentimetern repräsentiert 770 Jahre Wachstum.

Urin- und Grundwasserverunreinigung

Höhlen sind häufig direkt mit regionalen Grundwasserleitern verbunden. Was in eine Höhle eingebracht wird — Urin, Seifenreste, Lebensmittel, Chemikalien — kann in kurzer Zeit in Trinkwasserbrunnen und Quellen auftauchen. In Karstgebieten wie dem Dinarischen Karst auf dem Balkan, dem Kentucky-Karst rund um Mammoth Cave oder den Yucatán-Cenoten bilden unterirdische Gewässer komplexe und schlecht gefilterte Netzwerke.

Die NSS-Empfehlung ist eindeutig: Alle flüssigen und festen Abfälle sind aus der Höhle zu entfernen. Wo das nicht möglich ist (lange Mehrtagestouren), gelten spezifische Protokolle für WAG-Bags und Urin-Konzentratoren, wie sie in alpinen und Wildnisbereichen üblich sind. In touristisch erschlossenen Höhlen dürfen keine Lebensmittel oder Getränke außerhalb ausgewiesener Zonen konsumiert werden.

NSS-Richtlinien und BLM-Höhlenmanagement

Die National Speleological Society hat den Verhaltenskodex "Take Nothing But Photos, Leave Nothing But Footprints, Kill Nothing But Time" geprägt. In der Praxis umfasst das: keine Formationen berühren, keine Artefakte oder Knochen entnehmen, keine Graffiti hinterlassen, keine lebenden Organismen (Spinnen, Käfer, Asseln) stören und keine Fremdsedimente einbringen.

Das US Bureau of Land Management verwaltet über 800 Höhlen auf Bundesland und klassifiziert sie nach Schutzgrad: Signifikante Höhlen (Significant Caves) unterliegen besonderen Managementplänen, der Cave Resources Protection Act von 1988 stellt das Beschädigen oder Entnehmen von Höhlenressourcen unter Strafe. In Großbritannien reguliert die British Cave Research Association (BCRA) ähnliche Standards, in Deutschland die Verbandszeitschrift des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V.

Verantwortung beginnt mit Wissen

Die meisten Höhlenschäden entstehen nicht durch Vandalismus, sondern durch Unwissenheit: eine Hand, die eine Tropfsteinformation berührt und dabei Hautfett hinterlässt, das das Wachstum dauerhaft unterbricht; Schuhe, die Pilzsporen transportieren; eine Taschenlampe, die stundenlang auf Algen- empfindliche Wände leuchtet. Informierte Besucher sind der beste Schutz.

Auf der Karte können Sie Höhlen nach Region und Zugangstyp filtern — viele Einträge enthalten Hinweise zu Schutzstatus und lokalen Besuchsregeln.